2000-Watt-Gesellschaft konkret!


Grafik: Vergleich des heutigen Energieverbrauchs und CO2-Ausstosses mit den Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft.


Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein Legislaturziel der Stadt Zürich, doch was heisst dieses Ziel konkret? Das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft basiert auf zwei normativen Annahmen. Erstens: Alle Menschen haben den gleichen Anspruch für den Energieverbrauch. Zweitens: Eine für den Menschen gefährliche Klimaerwärmung soll verhindert werden. Gemäss Einschätzung der EU ist diese Gefahr bei einer Erwärmung um 2 Grad gegeben. Um diese Erwärmung zu verhindern, müssen die CO2-Emissionen bis 2050 etwa auf 1 Tonne CO2 pro Kopf und Jahr gesenkt werden. Da die Kapazität der erneuerbaren Energieträger nicht unbegrenzt ist, braucht es zur Erreichung dieses Ziels auch eine Reduktion des Energieverbrauchs von heute 9000 Watt auf 2000 Watt pro Kopf. Dass dies bereits mit der heutigen Technik ohne "Wohlstandsverlust" möglich wäre, hat die ETH mit dem Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft aufgezeigt (Jochem et al., 2003).

Eine Reduktion der CO2-Emissionen um den Faktor 10


Der heutige Energieverbrauch entspricht 150 dauernd brennenden Glühbirnen von 60 Watt pro Kopf. Mit Energiesparlampen liesse sich das gleiche Licht auch mit 2000 Watt erzeugen, doch es ist nicht in allen Bereichen so einfach wie beim Licht. Im Gebäudebereich erreichen wir eine solche Reduktion, indem wir mindestens im Minergie-P-Standard bauen und renovieren. Im Mobilitätsbereich ist das Erreichen von weniger als 1 Liter fossilen Energieträger pro Personenkilometer notwendig. Heute sind wir beim Auto etwa bei acht Liter. Im Bereich der Ernährung ist vor allem durch kurze Transportwege, energiearme Produktion und Zubereitung eine Reduktion des Energieverbrauchs zu schaffen. In der Kategorie "Sonstiger Konsum" ist vor allem die Wirtschaft gefordert, ihren Verbrauch zu reduzieren. Zudem ist der Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch stark zu erhöhen, damit wir auf 1 Tonne CO2 pro Kopf runter kommen.

Städte müssen Initiative ergreifen!


Klar ist, dass der Bund in allen Bereichen mehr machen müsste. Doch wenn man sieht, dass der SP-Bundesrat bereits ein Programm vorstellt, welches zwar erfreulich ist, doch in seinen Reduktionszielen hinter der EU zurückliegt und dieses Programm bereits von seiner CVP-Bundesratskollegin als zu weit gehend kritisiert wird, müssen die Städte auch in der Frage der Klimaverantwortung beginnen, einen gewichtigen Teil selber zu tragen. In den Bereichen Mobilität, Gebäude und Energieversorgung hat die Stadt Zürich bedeutende Einflussmöglichkeiten.

1. Mobilität

Die Stadt Zürich kann die städtische Verkehrspolitik stark mitbestimmen. Durch konsequente Parkplatzpolitik und Reduzierung der Strassenkapazitäten kann nicht nur ein weiteres Wachstum des MIV verhindert, sondern auch eine Reduktion desselbigen erreicht werden. Der Stadtrat sollte deshalb die Neuauflage des Ypsilons ablehnen, dieses würde die Kapazität nämlich um etwa 20 Prozent erhöhen. Durch das frühe Erarbeiten von ÖV-Projektierungen, Investitionen für den ÖV und Boni für deren BenutzerInnen kann ein Umstieg vom MIV auf den ÖV gefördert und damit die Effizienz der Mobilität erhöht wer-den. Schliesslich ist es auch die Stadt, welche bedeutend zur Attraktivität des Veloverkehrs beitragen kann. Hier liegt in Zürich einiges im Argen, auch wenn es die Planer zum Teil nicht wahrhaben wollen: Zürich ist alles andere als velofreundlich. Konkrete Massnahmen sind im Kapitel Verkehr aufgeführt.

2. Gebäude

Das Stadtspital Triemli, aber auch Science City zeigen, wie die Stadt nachhaltiges, energieeffizientes Bauen fördern und umsetzen kann. Doch um die 2000-Watt-Gesellschaft umzusetzen, reichen punktuelle Realisierungen - so genannte "Leuchttürme" - bei weitem nicht aus. Viel mehr braucht es ein Meer von Leuchttürmen. Konkrete Massnahmen sind im Kapitel Gebäude aufgeführt.

3. Energie

Mit dem städtischen ewz bietet sich der Stadt die sehr gute Voraussetzung, grossen Einfluss auf die Energieerzeugung und deren effiziente Nutzung auszuüben. Wenn wir die Anforderungen, den CO2-Austoss auf eine Tonne pro Kopf und Jahr zu reduzieren sowie den Ausstieg aus der Kernenergie realisieren wollen, bedeutet das für das ewz eine grosse Umstellung. Wind, Sonne, Biomasse aber auch Geothermie müssen noch viel stärker genutzt werden, um den verbleibenden Energieverbrauch umweltschonend bereit zu stellen. Konkrete Massnahmen sind im Kapitel Energie aufgeführt.

Leader im umweltschonenden Energieeinsatz zu sein ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine Chance für die Stadt. Die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft schafft für die Wirtschaft wichtige Marktnischen und bietet den Spin-offs unserer Hochschulen ein innovatives Umfeld. Die Massnahmen im Mobilitätsbereich bescheren Zürich bessere Luftqualität, weniger Lärmbelastung und mehr Lebensraum. Schliesslich ist die 2000-Watt-Gesellschaft auch ein Legislaturziel des Stadtrates, und das sollte nicht zu einer PR-Massnahme mit punktueller, zögerlicher Umsetzung verkommen.