Feinstaub: je kleiner, desto gefährlicher

Wie in anderen europäischen Ländern, leidet auch die Schweizer Bevölkerung unter dem Feinstaub. Zürich wird sogar offiziell als «lufthygienisches Sanierungsgebiet» bezeichnet. Doch kaum jemand weiss, was sich hinter dem Kürzel «PM10» verbirgt. Eine kurze Einführung.

 

Feinstaub ist, wie der Name sagt, feiner Staub - egal ob Asbest, Dieselrusspartikel oder Pollen. Er wird auch PM (particulate matter) genannt. In der Schweiz wird meist mit der Masseinheit PM10 gemessen. Damit werden alle Mikroteilchen bezeichnet, deren Radius weniger als 10 Mikrometer beträgt. In den 90er Jahren erkannte man, dass besonders diese sehr kleinen Partikel im Feinstaub gesundheitsschädlich sind.

 

In der Schweiz stammt ein gutes Drittel des Feinstaubs aus dem Verkehr, besonders aus Dieselfahrzeugen inklusive Lastwagen. Der Strassenverkehr produziert dabei viermal mehr Feinstaub als die Bahn. Ein knappes Drittel stammt aus der Industrie, vor allem aus Baumaschinen. Weitere Quellen sind Landwirtschaft, Industrie, Flugverkehr und Privathaushalte. Nördlich der Alpen kommt weniger als ein Fünftel aus dem Ausland.

 

Gesundheits-Risiko Feinstaub

 

Eine hohe PM10-Belastung in der Luft führt zu mehr Asthmaanfällen, Reizhusten und Atemnot. Sie erhöht auch das Herzinfarktrisiko. Folge davon sind mehr Spitaleinweisungen und Todesfälle. Dieselrusspartikel, die zu über 85 Prozent aus dem Strassenverkehr stammen, sind ausserdem krebserregend. Neben Dieselabgasen sind die kleinsten Teilchen besonders problematisch: sie bleiben nicht in den oberen Atemwegen hängen, wo Staub «nur» zu einer lokalen Entzündung führt, sondern können in die Lungenbläschen gelangen, von dort in den Blutkreislauf und damit in den ganzen Körper. Im Gegensatz zu den gesundheitlichen Folgen von Mobilfunkanlagen sind diese Zusammenhänge gut dokumentiert und in der Fachwelt unbestritten.

 

Grenzwerte ohne Folgen

 

Im Mittelland wird der Jahresgrenzwert für PM10 ganzjährig und grossräumig überschritten, vor allem in und um Zürich. Die Stadt Zürich bezeichnet sich offiziell als «lufthygienisches Sanierungsgebiet» und verlangt «zusätzliche Massnahmen», weil seit dem Jahr 2000 die Feinstaubbelastung nicht weiter abnimmt (vgl. Grafik). Ein Grund ist die Zunahme von Dieselfahrzeugen: In zehn Jahren ist ihr Anteil von gut 2 Prozent auf über 8 Prozent der Schweizer Personenwagen angestiegen. Dieses Problem wäre technisch weitgehend lösbar: Diesel-Partikelfilter vermindern den PM10-Ausstoss um über 90 Prozent.

 

Die Automobilindustrie führt Filter nur zögerlich ein. Denn weder in der EU noch in der Schweiz reicht der politische Druck bisher für ein Obligatorium. Dies, obwohl der Bundesrat selbst einräumt, dass Feinstaub für die Gesundheit äusserst schädlich sei. Die abwartende Haltung der Behörden kommt uns teuer zu stehen: Das Bundesamt für Raumplanung schätzt die externen Kosten des Verkehrs auf fünf Milliarden Franken pro Jahr, vor allem verursacht durch Gesundheits- und Unfallkosten. Über neun Zehntel werden dem Strassenverkehr angelastet. Noch anschaulicher ist eine andere Zahl: Zurückhaltend geschätzt, sterben in der Schweiz jährlich weit über tausend Menschen wegen der Luftverschmutzung - also mehr als bei Verkehrsunfällen. Dabei lässt sich allerdings nicht klar trennen, wofür der Feinstaub verantwortlich ist und wofür andere Substanzen wie NO2. Denn ein Schadstoff kommt selten allein.

 

Anna Fierz, AG Mobilität