Referendum Zollfreilager
Argumentarium
Gehören Sie zu den Glücklichen, welche nicht auf Wohnungssuche sind? Oder gehören Sie zu den bemitleidenswerten Leuten, welche jeden Morgen zuerst alle Kanäle nach freien Wohnungen absuchen? Dies meistens erfolglos und falls es dann doch noch zu einem Besichtigungstermin kommt, stehen die Leute bereits auf dem Trottoir in einer Schlange? Zu denjenigen, welche einen erheblichen Anteil an Zeit und Energie für die Wohnungssuche aufbrauchen?
Die Stadt Zürich boomt. Das merken vor allem jene Menschen, welche eine Wohnung suchen. Bezahlbare Wohnungen für Leute mit einem durchschnittlichen Einkommen sind heute fast nur noch über Beziehungen zu ergattern. Viele ziehen deshalb in eine Agglomerationsgemeinde. Längerfristig tut diese Entwicklung der Stadt Zürich nicht gut. Eine lebendige und attraktive Stadt braucht eine gute Durchmischung der Bevölkerung.
Vor zwei Wochen hätte es der Gemeinderat in der Hand gehabt, die Weichen in eben diese Richtung zu stellen. Mit der Umzonierung des Zollfreilager-Areals in Zürich-Albisrieden können neu ca. 1'000 Wohnungen realisiert werden. Dagegen kann man nichts einwenden. Schwieriger ist es, wenn die Grundbesitzer die bauliche Entwicklung des Areals als reines Immobilieninvestment sehen. Das hat zur Folge, dass zwar viele Wohnungen entstehen, aber leider nur solche, welche für gut bis sehr gut verdienende Menschen erschwinglich sind. Von einer guten Durchmischung der zukünftigen Bewohnerschaft kann somit keine Rede sein. Im Vordergrund steht die Rendite und nicht das Quartier, in diesem Fall das Letzi-Quartier, welches heute noch eine gesunde Durchmischung der Bevölkerung aufweist. Dies soll auch in Zukunft so bleiben.
Die AL und die Grünen haben deshalb das Referendum gegen diese Umzonierung ergriffen. Für uns ist es wichtig, dass zuerst ein städtebaulicher Vertrag mit den Grundeigentümern ausgehandelt wird. Dieser soll auch Fragen der Mietzinsgestaltung beziehungsweise die Überlassung von Land oder Wohnungen an gemeinnützige Wohnbauträgerinnen und Wohnbauträger regeln. Konkret fordern wir, dass ein Drittel der geplanten Wohnungen für Leute mit einem durchschnittlichen Einkommen bezahlbar sein werden.
Das ist keine unanständige Forderung. Andere Städte, mit welchen sich Zürich gerne vergleicht, z.B. Vancouver, Wien, München kennen bereits Instrumente in Form von Gesetzen, Anreizen, Subventionen oder Quoten wenn es darum geht, in einem Stadtteil für alle Bevölkerungsschichten und im speziellen für die finanziell schwächer gestellten Leute Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Mit der Umzonierung des Zollfreilager-Areals können die Städtische Penisionskasse, die Winterthurer AXA sowie die Familie Keller viel Geld verdienen. Das geht in Ordnung, das ist ihre Aufgabe. Die Aufgabe der Stadt hingegen muss es sein, dass die städtebauliche Entwicklung eines Quartiers sorgfältig vorangeht. Da muss die Stadt eingreifen, gestalten und Rahmenbedingungen setzen. Mit diesem Referendum soll die Stadt nochmals die Gelegenheit erhalten mit den Grundeigentümern zu verhandeln und eine gute Lösung für das Quartier und für alle Beteiligte zu finden.
