Parkplätze oder Bäume?



Kolumne «Aus dem Gemeinderat» von Ueli Nagel für «Zürich West» ZW 48, Nov. 09

 

 

Das Zählen von Parkplätzen in der Innenstadt scheint eine Lieblingsbeschäftigung der Bürgerlichen vor den Wahlen zu sein. So musste sich der Gemeinderat an einem grauen Novembernachmittag ausführlich damit beschäftigen, ob es zum detaillierten Bericht des Tiefbauamts über den sog. historischen Parkplatz-Kompromiss (Plafonierung der allgemein zugänglichen Parkplätze in der City und den citynahen Gebieten auf dem Stand von 1990) nochmals eine vertiefte Überprüfung brauche. Eine deutliche Mehrheit fand schliesslich, die Geschäftsprüfungskommission müsse die unterschiedlichen Zählweisen und die Vorwürfe der Gewerbler genauer unter die Lupe nehmen. Wenn diese Untersuchung nach den Wahlen abgeschlossen sein wird, ist die Hoffnung berechtigt, damit wieder Fakten statt Interpretationen ins Zentrum zu rücken.

 

Während Parkplätze und andere Verkehrsfragen im Gemeinderat regelmässig zu hitzigen Debatten führen, steht ein anderes Thema eher selten auf der Traktandenliste: die Bäume und Grünräume in unserer Stadt. In der Bevölkerung hingegen werden die Gewichte anders verteilt: da gehen die Emotionen hoch, wenn in einem Quartier Bäume gefällt oder ein Grünraum überbaut werden soll. Zum Glück pflegt die Stadtverwaltung im öffentlichen Raum und auf städtischen Grundstücken einen sorgfältigen Umgang mit den Bäumen, welcher dem Wert dieser besonderen Lebewesen für die Lebensqualität und das Mikroklima im Siedlungsraum Rechnung trägt. Hingegen kommt es immer wieder vor, dass Hausbesitzer/innen und Liegenschaftenverwaltungen „störende“ Bäume quasi über Nacht fällen lassen. So gab es kürzlich Protest gegen eine Baumfällaktion einer Liegenschaftenverwaltung an der Grimselstrasse in Altstetten. Dieser Fall zeigte wieder schmerzlich, dass es in der grössten Schweizer Stadt immer noch keine verbindlichen Regelungen für den Schutz von Bäumen auf Privatgrund gibt.

 

Vor fünf Jahren habe ich im Gemeinderat leider keine Mehrheit für eine Baumschutz-Motion gefunden. Nun ist es höchste Zeit auch in Zürich – wie übrigens in den meisten anderen grossen Schweizer Städten – eine moderne rechtliche und planerische Grundlage für den Schutz der Bäume und Baumbestände zu schaffen. Zusammen mit meinem grünen Fraktionskollegen Daniel Leupi habe ich daher vor einer Woche eine Baumschutz-Motion eingereicht, die neben dem Schutz von bestehenden grösseren Bäumen auch die Bedingungen für die Neupflanzung von Bäumen auf privatem Grund verbessern will.

 

 

Ueli Nagel wurde im April 2002 als Vertreter der Grünen in den Gemeinderat gewählt und im Februar 2006 wieder gewählt. Der promovierte Ökologe wohnt in Wiedikon und ist Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Er ist Präsident der Spezialkommission Gesundheits- und Umweltdepartement.