Velofahren muss sicherer werden!
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Kolumne «Aus dem Gemeinderat» von Ueli Nagel für «Zürich West» ZW 44, Oktober 2010
Es gibt wenige Themen, die im Gemeinderat die Gemüter so stark erhitzen, wie das Velo. Da fliegen rhetorisch die Fetzen und vehemente Autoverfechter (bürgerlich, männlich) stehen VeloverfechterInnen unversöhnlich gegenüber. Offensichtlich führt die eigene Perspektive bei der Fortbewegung zu sehr unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Veloverkehr in der Stadt. Die Alltagsvelofahrerinnen und -fahrer – wozu der Schreibende gehört – erleben die täglichen Gefahren und Konflikte im Strassenverkehr ohne Schutzblech und Stossstange und damit völlig anders als AutolenkerInnen, für welche die Velos eher ärgerlich oder irritierend sind. Versucht man den Verkehr aus unterschiedlichen Perspektiven zu verstehen und geht von der Realität einer Koexistenz der verschiedenen Verkehrsmittel und eines begrenzten Strassenraums aus, so kann man einige nüchterne Feststellungen machen.
Velofahren ist gesund, umweltschonend und in der Stadt meist schneller als Auto und Tram. Im Jahr 2000 wurden aber nur 7.3 % aller Wege innerhalb der Stadt mit dem Velo zurückgelegt. Der Anteil des Velofahrens am Stadtverkehr hat zwar seither zugenommen, aber das Potenzial ist nach Einschätzung aller Fachleute noch längst nicht ausgeschöpft. An der mangelnden Verfügbarkeit kann es nicht liegen, haben doch mehr als zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung ein Velo – zumindest im Keller. Wenn man die Leute danach fragt, weshalb sie nicht das Velo nehmen, kommt als häufigste Antwort: weil es zu gefährlich sei im Stadtverkehr. Aber auch die Aktiven betonen die Gefährdung: 54% der Velofahrenden fühlen sich oft unsicher im Strassenverkehr und 80% beklagen zu wenige Radstreifen, bzw. -wege (Bevölkerungsbefragung 2009). So befahre ich z.B. fast täglich Velostreifen, die sich gerade dann, wenn es eng und gefährlich wird, einfach „in Luft“ auflösen.
Velofahren muss sicherer werden! Die Velorouten müssen wirklich durchgehend und besser sichtbar sein. Die wichtigsten Konfliktpunkte und neuralgischen Stellen müssen mit höchster Priorität entschärft werden. Dies übrigens auch im Interesse von FussgängerInnen und Autofahrenden, denn in der heutigen Situation weichen viele junge, schnelle VeloflitzerInnen auf das Trottoir aus oder schlängeln sich gefährlich durch Autokolonnen.
Als Sofortmassnahme habe ich daher mit einem Postulat den Stadtrat gebeten, eine interaktive Internet-Plattform zu schaffen, wo alle ZürcherInnen kritische und gefährliche Stellen sowie Verbesserungsvorschläge festhalten können und zugleich die Verwaltung geplante und umgesetzte Massnahmen dokumentieren kann. Diese Öffentlichkeit soll einerseits Druck machen und anderseits die Arbeit der städtischen Veloverantwortlichen unterstützen.
Ueli Nagel wurde im April 2002 als Vertreter der Grünen in den Gemeinderat gewählt und 2006 und 2010 wieder gewählt. Er ist Vizepräsident der Geschäftsprüfungskommission. Der promovierte Ökologe wohnt in Wiedikon und ist Fachmann für Umweltbildung.
